Vom Sommer in den Herbst

War das ein schöner Sommer! Mit der Tonatiuh bin ich inzwischen in St. Jean-de-Losne gelandet und habe sie dort festgemacht für ein paar Tage. Zurzeit bin ich nämlich in der Schweiz, um noch ein paar Aufträge abzuschliessen. Der Törn ist wie geplant verlaufen, es gab kaum Verzögerungen: Zuerst den Canal des Voges hinauf mit Rosa, Sarah und den Enkeln Diego und Simon. Die beiden haben ausprobiert, ob das Oberdeck, überdacht mit der Persenning als Zelt zum Übernachten eignet. Für die beiden Buben war’s toll. Für zwei Erwachsene wär’s etwas eng. Aber eine Person hätte genügend Platz. Das Bootfahren ist für die Buben weniger spannend  als das die täglich neuen Übernachtungsstellen am Kanal mit Fischen, Boulespielen, Schwimmen, Wasserball etc.

Eine Woche später sind dann Rolf und Annemarie in Toul zugestiegen und haben die Schlafstellen in Salon getestet. Platz hatten sie reichlich, die Schlafstelle ist 2m breit und bequem war’s auch. Die Umbauerei (Tischabräumen, runterlassen, Matratze installieren, Bettbeziehen, Bettzeug rüberholen) dauert etwa 10 Minuten zu zweit. Das geht. Allerdings muss man sich, wenn man zu viert auf dem Boot ist über die Ins Bett- und Aufstehzeiten verständigen. Der Vorteil einer Vierercrew: Zwei können das Boot führen und zwei können dem Kanal entlang wandern. Zu Fuss ist man eher schneller als mit dem Boot, besonders dann wenn die Schleusen dicht aufeinander folgen.

Nach der Rückreise von Rolf und Annemarie ab Bar-le-Duc am Canal de Marne au Rhin habe ich noch mit der Unterstützung von Rosa geübt, das Boot alleine zu führen: Beim Aufwärts und Abwärtsschleusen und beim An- und Ablegen. Das konnte ich dann testen und brauchen ab St.Dizier am Canal entre Champagne et Bourgogne: zuerst das anstrengendere Raufschleussen bis zum Tunnel, dann ca. 1 1/2 h durch den Tunnel von Balesmes und danach gäbiger runter bis an die Saône  bei Pontarlier sur Saône. Hier ist die Saône ein schöner breiter Fluss mit langen Strecken natürlichen und teilweise bewaldeten Ufers, ein ganz anders Erlebnis als die Fahrt in den relativ engen Kanälen.  Bis St. Jean-de-Losne war’s dann nicht mehr weit. Dort wollte ich ohnehin das Boot festmachen, war aber einige Tage zu früh. Deshalb habe ich noch einen Abstecher in den Canal du Rhone au Rhin gemacht, bis etwas über Dôle hinaus. Das hat sich vor allem wegen Dôle gelohnt. Eine schöne Altstadt, die im letzten Weltkrieg nicht (wie Toul) zerstört wurde. Da bin ich das zweite Mal auswärts essen gegangen (Moules-Frites). Sonst habe ich, haben wir immer auf dem Boot gekocht. Die Küche ist dazu sehr gut eingerichtet.

Neben der Reiseplanung und der Handhabung des Boots, war ich noch stark absorbiert mit kleineren und grösseren Pannen, die mir mehr zu tun geben, weil ich das Boot noch nicht wirklich kenne. So z.B. bin ich bei einem Ausweichmanöver für eine grosse Peniche auf Grund gelaufen und dabei ist die Hydraulik für das Ruder aus ihrer Verankerung gerissen. Damit war das Boot nicht mehr manövrierfähig und ich konnte es mit Mühe und Not mit dem Seitenstrahlruder ans Ufer bugsieren. Glücklicherweise konnte ich die Hydraurik mit zwei Schrauben wieder provisorisch, aber einigermassen sicher befestigen. Nach zwei Stunden unter Deck konnten wir weiterfahren. Etwa zwei Wochen später beim Warten vor einer Schleuse lief zwar der Motor noch, aber ich konnte weder vorwärts noch zurück. Diesmal kam mir der Hafenmeister von Corre zuhilfe (nach einer Anfahrt mit dem Auto von 2 1/2 h): Die Welle hat sich von ihrer Verbindung mit dem Motor gelöst und ist im Wellenschaft zurückgerutscht. Er hat sie wieder angeschraubt und wir konnten am nächsten Tag unsern Törn fortsetzen. Letzte Woche ist mir das nochmals passiert. Die Symptome sind mir bekannt vorgekommen und ich konnte diesmal das selbst reparieren. Es scheint, dass sich die einzige Schraube, die diese Verbindung gewährleistet, sich durch die Vibrationen lockert und sich beim Rückwärtsfahren rausdreht. In den Kanälen ist das lästig, auf den Flüssen kann das gefährlich sein. Ich hoffe nun, dass die Werft in St. Jean-de-Losne eine dauerhaftere Lösung für dieses Problem findet. Die kleineren Probleme in Stichworte: Eine Stelle an der Rückwand der Achterkajüte faulte, die Plättli in der Küche waren lose, ich habe zuerst nicht begriffen, wie man eine Fettpresse richtig nachfüllt und eine Riesenschweinerei veranstaltet, die heissen Auspuffgase haben einen Fender verformt, die Bilge ist vollgelaufen, weil die Leitung zur Aussendusche undicht war, etc., etc. Ja, ich habe gewusst, dass die  Tonatiuh ein Oldtimer (Jg. 1905) ist und handwerklich immer wieder was zu tun geben wird. Die Illusion, dass das alles bis Ende Saison bereinigt sei, habe ich aufgegeben. Ich bin fast sicher, dass wenn die bekannten Probleme gelöst sind, wieder ein paar heute noch unbekannte dazu kommen werden. All das hat aber die Fahrt nicht aufgehalten, ich bin der ursprünglichen groben Reiseplanung eher etwas voraus.

Das ermöglich mir ab nächsten Donnerstag noch etwas weiter südlich auf der Saône vorzustossen und erst später zu wenden, um über später die Saône rauf nach Corre zurückzufahren. Rosa wird vielleicht im Herbst nochmals dazustossen und im September komme ich für zweieinhalb Wochen nochmals in die Schweiz zurück, um wieder etwas zu arbeiten. Für die übrigen Wochen freue ich mich auf Gäste, die einige Tage oder Wochen mitreisen mögen. Die Abwechslung zwischen alleine unterwegs sein und dann wieder Gesellschaft zu haben in den letzten sechs Wochen hat mit sehr gepasst. Ich wünsche mir das auch für den Spätsommer und Herbst. Es hat noch Platz vom 22. Aug. (nächsten Donnerstag) bis 30. Aug. von St-Jean-de-Losne bis Gigny oder dann ab 19. September bis 26. Oktober für die Reise nordwärts ins Winterquartier.