Viel Sonne , aber auch Wind und Hagelwetter

Im Süden Frankreich gibt’s einige mittelalterliche Städte, die als Ensemble erhalten geblieben sind. Einige davon lagen an meiner Route: Avignon, Aigues Mortes, Carcassonne. Besonders beeindruckend waren Aigues Mortes, wegen des freien Feldes vor der Stadtmauer

Aigues-Mortes von Süden

Aigues-Mortes von Süden

und Carcassonne auf einem sonst unbebauten Hügel als Festung konzipiert. Die tatsächlichen oder imaginierten Feinde, die solche Abwehrmassnahmen nötig machten, müssen mächtig gewesen sein. In den Städtchen selbst, die obligaten Touristengässchen mit dem immer gleichen Angebot an Souvenirkitsch und lokalen Spezereien und Süssigkeiten. Und dennoch: Avignon und auch Aigues Mortes haben auch viele Gassen abseits des Touristenstroms, in denen gewohnt und gearbeitet wird.

Nach Avignon war die Fahrt durch die Camargue und der Küste nach durch den flachen Horizont geprägt von vielen Wasservögeln, Eseln und einigen Herden von Camargue-Pferden. Ein besonderes Erlebnis war die Überfahrt über den Etang de Thau: Am ersten Tag, nur eine kurze Strecke von Frontignan nach Sète, die es aber in sich hatte: Es hatte ca. 3 bis 5 Beaufort Wind. Am Anfang, gegen den Westwind ging’s noch ganz gut, dann musste ich Richtung Sète nach Süden abbiegen, der Wind hat an Stärke zugenommen und Tonatiuh kam an ihre Grenze. Es hat gerumpelt und geklirrt in der Kajüte, aber letztlich ist nur eine Flasche zerbrochen, die ich nicht weggeräumt hatte. Im Kanal nach Sète waren dann die Wellen kleiner, aber der Wind hat es fast verunmöglicht, das Boot im engen Kanal noch zu wenden und gegen den Wind anzulegen. Mit Hilfe von drei Einheimischen am Quai haben wir es dann doch noch geschafft.

Rosa kam am Abend in Sète auf’s Boot und am nächsten Morgen haben wir lange gewerweist, ob wir auslaufen können. Bis ca. 10 Uhr war immer noch Windstärke 4 und um 11 hat der Wind dann auf 3 nachgelassen, und wir haben die längere Überfahrt nach Westen zur Einfahrt in den Canal du Midi gewagt gewagt. Die Orientierung auf dem Etang war nicht ganz einfach. Wir waren uns die relativ engen Verhältnisse auf den Kanälen und Flüssen gewohnt, und die Seezeichen sind recht weit auseinander. Aber alles ging gut und wir haben keine Austernbänke gerammt.

Zwischen Capestang und Trèbes haben uns Lisbeth und Kurt begleitet. Am ersten Tag hatten sie eine äusserst bequeme und sonnige Fahrt: 28 km ohne eine einzige Schleuse. Dann wurde es etwas anspruchsvoller und abenteuerlicher mit einem kräftigen Hagelwetter am Sonntagabend in La Redorte als dramatischem Höhepunkt. Glücklicherweise hatten wir schon angelegt. Dem jungen Mann mit dem Sport-Coupé am Hafen hat es das ganze Verdeck zerlöchert, in der Gegend sind 1500 ha Reben zerhackt worden und die Frau eines Freizeitschiffers – überrascht vom Unwetter während der Fahrt -wurde von Hagel spitalreif geschlagen. Da sind wir mit einem zerbrochenen Rückspiegel und einigen Farbschäden glimpflich davon gekommen!

In Frankreich haben die Schulferien begonnen und es ist nicht mehr selbstverständlich einen Platz im Hafen zu finden. Gestern, angekommen in Carcasonne, wurden wir das erste Mal abgewiesen und haben etwas ausserhalb des Hafengebiets angemacht (wenden im Kanal zum Ersten). Gratis zwar, aber ohne Wasser und Strom. Heute konnten wir die Tonatiuh verschieben (wenden im Kanal zum zweiten Mal), die Batterien wieder ganz aufladen und den Wassertank füllen und die befestigte alte Cité besuchen.

Cité von Carcassonne

Cité von Carcassonne

Morgen geht’s weiter in Richtung Castelnaudary, wo Annemarie und Rolf zu uns stossen werden.

Ein Gedanke zu “Viel Sonne , aber auch Wind und Hagelwetter

  1. Tönt aber doch sonniger als bei uns! Die ganze Woche Regen und knapp 15 Grad! Zum Glück spielt das Aupair gerne Monopoly 😉
    Gruess
    Sarah

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