Einführungswoche

Die Zentrale von Acoguate in Guatemala Ciudad ist eine Kombination von Büros und einer Wohngemeinschaft. Hier leben und arbeiten die Freiwilligen, wenn sie nicht gerade auf Reisen sind. Und hier arbeiten ebenfalls die KoordinatorInnen, die eine längerdauernde Anstellung haben. Sie haben sich deshalb in Wohnungen in der Stadt eingerichtet. Die Zusammensetzung ist international, zurzeit sind Schweden, Italien, Frankreich, die USA, Deutschland, Liechtenstein und die Schweiz vertreten. Die meisten sind zwischen 20 und 40, ab und zu hat es auch über 60ig Jährige. Jetzt gerade sind wir zu zweit in dieser Altersgruppe.Die Reisen ins Land hinaus dauern jeweils 5 Wochen. In der sechsten Woche treffen sich alle in der Hauptstadt, und dann werden jeweils auch die Neuen eingeführt. Dann ist das Haus platschvoll. Es gibt zwei Sechser-Zimmer mit Etagenbetten und ein paar Matratzen, die nachts in den Büros ausgelegt werden. Heute Freitag sind bereits die ersten wieder für Besuche in den Regionen abgereist, und es gibt etwas mehr Luft. Und nächste Woche soll‘s noch mehr Platz geben. Trotz, oder vielleicht wegen der Enge ist das Klima sehr herzlich und rücksichtsvoll. Ich werde sicher fünfmal am Tag gefragt, wie’s mir geht und ob ich etwas brauche. Einzelne kochen für sich, andere essen auswärts und meist kochen auch ein paar zusammen. Alles sieht etwas chaotisch aus, funktioniert aber recht gut mit einer Mischung aus Planung, Organisation und Improvisation. Die Einrichtung ist bescheiden: Wie meist in Guatemala in den einfacheren Haushalten, gibt’s nur für die Duschen warmes Wasser. Das Geschirr und die Wäsche werden mit kaltem Wasser gewaschen. Geht auch so.

Die erste Woche war für uns zwei Neulinge, eine Amerikanerin und mich, recht anspruchsvoll. Ein Workshop nach dem andern von halb neun bis sieben Uhr abends mit einer kurzen Mittagspause im für mich noch gewöhnungsbedürftigen Spanisch. Dabei haben sich die bereits erfahrenen Acos (für acompañantes, BegleiterInnen) und die KoordinatorInnen abgelöst und uns Neuen Informationen über das Projekt, die politische und gesellschaftliche Situation in Guatemala, die Verhaltensregeln für die Acos, über Sicherheitsvorkehrungen und über die einzelnen Begleitungsmandate in den Regionen vermittelt. Mich hat beeindruckt, wie gut die Arbeit organisiert ist. Einerseits gibt es Equipen, die zusammen mit einer Koordinatorin jeweils für eine Region zuständig sind. Und anderseits Arbeitsgruppen mit Mitgliedern aus verschiedenen Equipen, die z.B. für den Haushalt, die Sicherheit, die Information, die körperliche und geistige Gesundheit oder die Verbindung zu den Botschaften zuständig sind. In der ersten Woche waren auch verschiedene administrative Arbeiten zu erledigen: Ein Identifikationsbatch mit Foto, eine notariell beglaubigte Passkopie, ein Empfehlungsschreiben der eigenen Botschaft mussten besorgt werden,.

Sicherheit ist ein wichtiger Aspekt in der Einführung, sowohl die persönliche Sicherheit der Acos, wie auch der Personen, die sie begleiten. Acos sind bei ihren Einsätzen immer zu zweit und nie nachts unterwegs, in Berichten werden keine Namen, Orte und Daten genannt, Dasselbe gilt für Fotos, die Rückschlüsse auf die begleiteten Organisationen und Personen zulassen. In meinen Berichten werden deshalb nur Decknamen vorkommen und nur ganz generelle Hinweise auf Regionen, die wir besuchen werden.

Die Vorbereitung ist äusserst sorgfältig und ausführlich und strapaziert unser Aufnahmevermögen. Glücklicherweise werden wir bei unseren ersten Einsätzen mit einer erfahreneren Partnerin/ einem erfahreneren Partner unterwegs sein.

Die erste Woche und damit die allgemeine Einführung ins Projekt sind vorbei. Am Wochenende habe ich zwei Tage frei: Gelegenheit mir die Stadt etwas anzusehen, Wäsche zu waschen und die Einkaufsmöglichkeiten zu erkunden. Morgen Abend sind wir zu einem Konzert eingeladen.

 In dieser Woche habe ich auch etwas Hintergrundmaterial zusammengetragen. Ihr findet unter dem Menüpunkt Hintergrund z.B. die folgenden Beiträge

Als Guerilla in den Wäldern
Sein Sohn wächst im mexikanischen Exil auf. Als Jugendlicher schliesst er sich den Guerillas an, um so für eine Rückkehr seiner Familie in ihr Dorf zu kämpfen. Nach dem Friedensabkommen 1996 können sie zurückkehren und Vater und Sohn setzen sich nun auf der politischen Ebene für bessere Lebensbedingungen und die Rechte der Indigenen ein.

Kinderhandel wird aufgearbeitet
Als früherer Geschäftsführer a.i. der Schweizerischen Fachstelle für Adoption und als ehemaliger Präsident der Fachstelle Pflegekinder Bern interessiert mich natürlich die internationale Adoption in Guatemala. Da gibt es Erfreuliches zu berichten: Guatemala scheint gewillt zu sein, diese düstere Seite seiner Geschichte aufzuarbeiten.

Kriminalisierung der MenschenrechtsverteidigerInnen
In der letzten Zeit hat die Kriminalisierung der MenschenrechtsverteidigerInnen in Guatemala stark zugenommen. Zurzeit sitzen aus dem Departement Huehuetenango sechs Personen in Haft.

Mit herzlichen Grüssen aus Guatemala         Peter Keimer

3 Gedanken zu “Einführungswoche

  1. Lieber Peter,
    dein Bericht ist sehr spannend.Anspruchsvolle Aufgabe, interessantes und herausforderndes Zusammenleben. Da kann ich mir gut vorstellen, dass dir wohl ist.
    Herzliche grüsse Annemarie

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