Sexuelle Gewalt gegen Frauen als Kriegsmittel

Im Bericht „Memoria del Silencio“ der CDH über den internen bewaffneten Konflikt 1980 bis 1996 sind 9411 Frauen als Opfer verzeichnet. Ein Drittel davon wurde ohne Gerichtsverfahren erschossen, einzeln oder in Massakern, je ein Fünftel gefoltert oder gefangen, 14 % wurden Opfer sexueller Gewalt, 6% gewaltsamen Verschwindenlassens und 10% Opfer anderer Gewaltverbrechen.

Fast 90% der Opfer sexueller Gewalt waren Angehörige der Maya-Völker, davon waren am meisten betroffen K ́iche ́, Q ́anjob ́al, Mam, Q ́eqchi ́, Ixil, Chuj und Kaqchikel. Ein Drittel davon waren minderjährige Mädchen.

Sexuelle Gewalt gegen Frauen war im internen bewaffneten Konflikt ein weit verbreitetes und systematisch eingesetztes Verbrechen des staatlichen Machtapparats (Polizei, Militär und des zwangsverpflichten Paramilitärs). Es wurde geplant und befohlen durch Vorgesetzte, als Strategie gegen „Aufständische“, um die Macht gegenüber den Frauen zu demonstrieren und damit die einheimische Bevölkerung zu terrorisieren.

Die sexuelle Gewalt gegen Frauen ist über die physische Verletzung hinaus eine Verletzung der Integrität und Würde der Frau und ihrer Freiheitsrechte. Diese Verbrechen sind Ausdruck von Frauenhass und Rassenhass; die Täter sehen ihre Opfer in vielfacher Weise als minderwertige Wesen. Ohne ihre Väter und Männer sind sie schutz- und rechtlos; als Frauen und als Indigene werden sie als minderwertige Objekte ohne Selbstbestimmung betrachtet, und als Campesinas stehen sie auf der untersten Stufe der guatemaltekischen Gesellschaft.

Ein Urteil wird nicht nur für die Bewältigung der Schrecken der Vergangenheit Bedeutung haben, sondern auch für die Anerkennung der Selbstbestimmungsrechte der indigenen Frauen in der heutigen Gesellschaft.

–> Der Fall Sepur Zarco