El Estor

Zusammenfassung

German Chub Choc wurde durch das Sicherheitspersonal der Fenix Mine am 27. September 2009 angeschossen und ist seither querschnittgelähmt. Am Nachmittag hatte er sich ein Fussballspiel angesehen, als ein Fahrzeug der Minengesellschaft „Compañia Guatemalteca de Niquél CGN“ mit ungefähr 14 Sicherheitsleuten und dem Sicherheitschef Mynor Padilla, auf der Strasse neben dem Fussballfeld hielt. Das Sicherheitspersonal war mit Pistolen, Gewehren, Macheten, Pfeffer-Spray und Tränengas ausgerüstet. Zu diesem Zeitpunkt gab es keine Protestkundgebungen in der Nähe. Eine Gruppe Uniformierter und Mynor Padilla näherten sich German Chub Choc, dieser sah Mynor Padilla seine Handfeuerwaffe ziehen und wollte fliehen. Mynor Padilla schoss ohne Vorwarnung. Die Kugel trat an der Schulter ein, durchdrang Chub Chocs Lunge und verletzte seine Wirbelsäule. Er verlor das Bewusstsein und als er etwas später wieder erwachte spuckte er Blut. Sein Leben konnte gerettet werden, aber nach 20 Monaten Rehabilitation wird er den Rest seines Lebens im Rollstuhl verbringen müssen.

Am selben Tag wurde Adolfo Ich schwer verletzt und mit einem Kopfschuss getötet. Er war mit seiner Frau in ihrem Haus in La Union, als er Schüsse hörte aus der Richtung der Gebäude der Minengesellschaft, unweit seines Hauses. Adolfo ging raus um zu sehen, was los war und ob er etwas dazu beitragen könnte, die Gemüter zu beruhigen. Er hatte keine Waffe bei sich. Adolfo wurde vom Sicherheitspersonal als prominenter Führer der Gemeinschaft erkannt und eingeladen mit ihnen über die Proteste zu sprechen. Als er sich näherte wurde er von einem Dutzend Sicherheitsleute gefasst, geschlagen und mit einer Machete verwundet bevor er auf kurze Distanz mit einem Kopfschuss hingerichtet wurde. Adolfo starb an seinen Verletzungen.

Diesen Ereignissen vorausgegangen war ein jahrzehntelanger Streit um die Landrechte der indigenen Bevölkerung auf einem 385 km2 grossen Gebiet, das die Regierung der Minengesellschaft CNG während des internen bewaffneten Konflikts (1960-96) zum Abbau freigegeben hatte. Bereits 1981 wurde ein indigener Führer des Widerstands gegen die Mine ermordet und im Januar 2007 kam es bei einer grossangelegten Räumungsaktion zu einer Massenvergewaltigung (–> Lote 8).

Nach einem Fluchtversuch konnte der Sicherheitschef der Mine, Mynor Padilla, verhaftet und am 26. September 2012 in Untersuchungshaft genommen werden. Die Staatsanwaltschaft und die Internationale Kommission gegen die Straflosigkeit (CICIG) erhoben Anklage gegen ihn wegen schwerer Körperverletzung und Mord. Die Witwe Angélica Choc und German Chub Choc beteiligen sich als PrivatklägerInnen am Prozess. ACOGUATE begleitet die beiden an den Prozesstagen zum Gericht.

Parallel dazu läuft in Ontario, Kanada, ein Verantwortlichkeitsprozess gegen die kanadische Muttergesellschaft der CGN, die HudBay Inc. Ihr wird vorgeworfen, gewusst zu haben, dass die beauftragte Sicherheitsfirma keine Lizenz besitzt und ihre Waffen nicht registriert sind. Sie habe zudem um das rücksichtslose Vorgehen der Sicherheitsleute gegen die lokale Bevölkerung gewusst und dieses billigend in Kauf genommen. Im Juli 2013 hat das oberste Gericht in Ontario die Klage gegen eine Minengesellschaft für Delikte ihrer ausländischen Tochterfirmen ausdrücklich zugelassen, was in der kanadischen Bergbauindustrie für einige Aufregung sorgte. Dieser Prozess wird durch zwei kanadische Organisationen «Breaking the Silence» und «RightsAction» begleitet.

Zu diesem Fall hat Peace Watch Switzerland drei Berichte auf seiner Website:
Der lange Weg für Gerechtigkeit, April 2015
Verlauf der Gerichtsverhandlung gegen Mynor Padilla, Juni 2015
Wirbel im Gerichtssaal, August 2015

Auf dem Blog von ACOGUATE findet sich der Bericht:
http://acoguate.org/2015/05/26/se-reabre-juicio-emblematico-contra-empresa-minera-en-el-estor-izabal-2/

Chronologie El Estor

ab 1960 Die kanadische Minengesellschaft Canadian International Nickel Company (INCO Limited of Canada). INCO verhandelt mit verschiedenen Militärregierungen über den Nickelabbau in einer Tagbaumine in El Estor. In dieser Zeit beginnt auch der bewaffnete interne Konflikt mit 200’000 Getöteten oder Verschwundenen.
1965 INCO erhält eine Abbaulizenz für 385 km2 in der Nähe von El Estor. Die Verfassung hat bis dahin Tagbaumine verboten. Um den Abbau dennoch zu ermöglichen, hat die Regierung die Verfassung aufgehoben, das Parlament aufgelöst und ein neues Bergbaugesetz erlassen.
1966 Das Militär versucht, mit einem Terrorregime, Sicherheit und Stabilität für den Betrieb der Mine zu schaffen. Der dafür verantwortliche Oberst, Carlos Arana Osorio, wird der Schlächter von Zapoco genannt. Er wird 1970 Präsident.
1968 – 71 Angehörige des Maya-Volkes Q’eqchi’ werden vom Land der geplanten Mine vertrieben.
1970 Der INCO-Deal wird auch in der Hauptstadt zunehmend kritisiert (Verschleuderung von nationalen Ressourcen). Darauf reagiert die Regierung mit der Besetzung der Universität San Carlos und der Ermordung von drei Rechtsprofessoren.
1974 INCO erhält von der kanadischen Regierung einen Exportförderungskredit von 17.5 Mio $.
1978 Die lokale Tochtergesellschaft der INCO, EXMIBAL heisst jetzt „Compañía Guatemalteca de Níquel CGN“ und gehört HudBay Minerals. Im Gebiet Chichipate, El Estor; wird aus Fahrzeugen der EXMIBAL gegen die Siedlung geschossen. Dabei werden José Che Pop und Miguel Sub verletzt.
1981 Pablo Pac Caal, ein Verteidiger der Landrechte der Q’eqchi’, wird mit einem Fahrzeug der EXMIBAL entführt und ermordet.
1982 INCO gibt die Mine auf, nachdem die Regierung eine fünf prozentige Gewinnsteuer eingeführt hat, behält aber das Land.
1996 Friedensvertrag unter anderem mit Vereinbarungen zum Schutz und zur Rückgabe von Land der indigenen Bevölkerung.
2004 Das kanadische Unternehmen Skye Ressources übernimmt die Mine Fenix in El Estor und erwirbt eine Mehrheit in der lokalen Gesellschaft Compañía Guatelmalteca de Níquel (CGN).
2006 Die Regierung übergeht ihre Konsultationspflicht gegenüber der indigenen Bevölkerung und erteilt erneut eine Abbaulizenz. Q’eqchi’-Familien kehren auf ihr angestammtes Land zurück, werden aber wieder vertrieben.
2006 – 07 Militär, Polizei und private Sicherheitskräfte werden durch die CNG beauftragt, diese Familien zu vertreiben. Hunderte von Häusern werden niedergebrannt, in der Siedlung Lote 8 kommt es am 17. Januar 2007 zur Massenvergewaltigung von Frauen (–> Lote 8).
2008 HudBay Minerals übernimmt Sky Ressources und wechselt ihren Namen zu HMI Nickel Inc.
01.04.2009 Schlichtungsversuch durch die Departementsgouverneurin Luz Maribel Ramos Peña.
2009 Freiwillige Umsiedlung von 16 (von insgesamt 22) Familien.
2009 Versprechungen Infrastruktur am neuen Ort werden nicht eingehalten –> Die UmsiedlerInnen kehren zurück nach Las Nubes.
27.09.2009 German Chub Choc wirde durch das Sicherheitspersonal der Fenix Mine am 27. September 2009 angeschossen und ist seither querschnittgelähmt.
27.09.2009 Am selben Tag wird Adolfo Ich smit einem Kopfschuss getötet.
01.10.2009 Es wird Haftbefehl gegen Mynor Padilla erlassen.-
24.09.2010 Verantwortlichkeitsklage in Kanada von Angelica Choc, Witwe von Adolfo Ich Chamán, und gegen Hudbay Nickel Inc., HMI Nickel Inc. und Compañía Guatemalteca de Níquel S.A eingereicht.
26.09.2010 Verantwortlichkeitsklage von German Chub Choc in Kanada gegen Hudbay Nickel Inc. und Compañía Guatemalteca de Níquel S.A eingereicht.
2011 Mynor Padilla ist auf der Flucht, bleibt aber auf der Lohnliste der CGN.
08.02.2011 Das Verfassungsgericht bestätigt, dass die Maya Q’eqchi’ rechtmässige Besitzansprüche auf das umstrittene Land haben, und fordert die Regierung auf, diese Rechte anzuerkennen.
01.09.2011 HudBay Minerals verkauft das belastete Fenix-Project an eine russische Gesellschaft, der Solway Investment Group.
26.09.2012 Mynor Padilla wird in Cañadas del Rio verhaftet und in Untersuchungshaft gebracht.
22.07.2013 Das oberste Gericht von Ontario lässt die Klage von Angélica Choc und German Chub Choc gegen HudBay in Kanada zu.
11.08.2014 Hausbesuche von Unbekannten beim querschnittgelähmten German Chub Choc mit dem Versuch ihn davon abzubringen, sich als Privatkläger am Prozess zu beteiligen. Auch Angélica Choc ist wiederholt Bestechungs- und Druckversuchen Unbekannten ausgesetzt.
08.04.2015 Beginn des Prozesses in Puerto Barrios, Guatemala: Staatsanwaltschaft und CICIG gegen Mynor Padilla wegen Mordes an Adolfo Ich und schwerer Körperverletzung an German Chub Choc.
03.06.2015 Einer der Anwälte der Verteidigung (Francisco Palomo) wird in der Hauptstadt erschossen. (Es besteht vermutlich kein Zusammenhang mit diesem Fall.)
Quellen:
01.06.15 http://www.rightsaction.org/action-content/hit-squad-assassinates-lawyer-defending-mynor-padilla
04.04.15 http://rightsaction.org/action-content/hudbay-mineralscgn-former-head-security-trial-guatemala-mining-related
14.08.14 http://rightsaction.org/action-content/hudbay-mineralscgn-mining-impunity-update-accused-killer-mynor-padilla-still-jail
22.08.14 https://miningjusticealliance.wordpress.com/2014/08/22/hudbay-minerals-stop-the-harassment-in-guatemala-concerning-mining-related-criminal-and-civil-lawsuits-rights-action/
?? http://www.chocversushudbay.com/about#Summary%20of%20Choc
?? http://www.chocversushudbay.com/history-of-the-mine
25.10.10 http://www.ciel.org/Publications/IACHR_Oct10.pdf, P. 14
08.04.142013 https://cmiguate.org/niquel-mineria-militares-y-muerte-en-guatemala/