Kinderhandel wird aufgearbeitet

Am 17. Juli 2015 wurden neun Personen eines Netzes illegaler Adoption zu Strafen zwischen 3 bis 18 Jahren verurteilt. Loyada Rodríguez Morales hatte wegen des Verschwindens ihrer zweijährigen Tochter Anyeli Liseth Hernandez Rodríguez Klage eingereicht. Die Kleine war am 3. November 2006 im Dorf San Miguel Petapa aus ihrem Elternhaus entführt worden. Frau Rodríguez hatte gleichzeig auch beantragt, dass  alle hängigen Adoptionsverfahren daraufhin überprüft werden sollen, ob die Fotos der zu adoptierenden Kinder ihrer Tochter gleichen würden. Diesem Antrag wurde im März 2009 stattgegeben und tatsächlich wurde in der Akte 0733-2008-CNA-EN ein Foto gefunden, dass Anyeli stark ähnlich sah.

Die Fundacíon  Sobrevivientes (Überlebende) beschreibt, das was Anyeli und vielen andern Kinder geschah,  als „Wäsche gestohlener Kinder“. Diese Wäsche bestand darin, dass diese Kinder jeweils in einer andern Region ins Geburtsregister unter einem andern Namen eingetragen wurden. So wurde aus Anyeli Karen Abigail López García.  Nachträglich wurde ermittelt, dass Anyeli einer ausländischen Familie zur Adoption vermittelt wurde mit Hilfe einer Frau, die sich als Mutter ausgab.

Zwar konnte die Adoptivfamilie in den Vereinigten Staaten ermittelt werden, aber die Adoptiveltern haben sich bis heute geweigert, Anyeli seinen Eltern zurückzugeben.

Die höchste Strafe von 18 Jahren erhielt die Frau, die sich als Mutter ausgegeben hatte. Der Richter, der die Adoption geprüft und genehmigt hatte, bekam 4 Jahre. An dem betrügerischen Kinderhandelsnetz mit dem schönen Namen Asociación Primavera, waren auch Beamte der Migrationsbehörde und Advokaten beteiligt, die ebenfalls zu geringeren Strafen verurteilt wurden.

Der Fall von Anyeli und ähnliche Fälle waren möglich, weil das Adotionsverfahren  bis 2007 lediglich ein notarielles Verfahren war, das am Schluss durch einen Richter genehmigt werden musste. Mehr als 35‘000 Kinder wurden auf diese Weise ausser Landes verschleppt und an Paare verschachert, die bereit waren, 25‘000 Dollar auszugeben, um so ihren Kinderwunsch zu erfüllen.

Das Adoptionsgesetz von 2007 orientiert sich am Haager Abkommen  und ist seit dem 31. Dezember 2007 in Kraft. Seither hat die staatliche Adoptionsagentur 730 nationale Adoptionen durchgeführt, und sie bewilligt zur Zeit keine internationalen Adoptionen mehr.  Rudy Zepeda, der Sprecher des Nationalen Rats für Adoption (CNG) begründet dies damit, dass es genügend adoptionswillige Paare in Guatemala gebe.

Die Behörden sind sich bewusst, dass eine Rückführung der Kinder aus der Zeit des Kinderhandels zu Retraumatisierungen führen könnte und durch Fachleute sorgfältig begleitet werden muss.  Es gibt keine Schätzungen, wie viele Kinder, ähnlich wie Anyeli, ihren Eltern entführt wurden. Die Staatsanwaltschaft und die Vereinigung der Überlebenden sind entschlossen, den Verbrechen aus dieser Zeit nachzugehen und die Kinder wieder ihren Eltern zuzuführen.

Ob es wirklich gelingen wird die geschätzten 35’000 illegalen Adoptionen aufzuklären und die Kinder mit ihren leiblichen Eltern zusammenzubringen wird sich noch weisen müssen. Der gute Willen dazu scheint vorhanden zu sein. Es ist schon viel erreicht, wenn der Kinderhandel künftig wirksam unterbunden wird. Das ist ein kleiner Lichtblick der Hoffnung in diesem Land, in dem Korruption, Gewalt und Straflosigkeit den Alltag dominieren.

Quellen:

La Hora, guatemaltekische Tageszeitung, 19. Juli 2015

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