Spott und Hohn für MenschenrechtsverteidigerInnen

Neben der Kriminalisierung ist die Diffamierung von MenschenrechtsverteidigerInnen eine vielfach benutzte Taktik. Der folgende Ausschnitt einer Kolumne die in der Tageszeitung Prensa Libre erschienen ist, ist ein typisches Beispiel dafür:

“Genocirco 2.0

…..Erstaunlich diese übertriebene Aufmerksamkeit, diese wortgewaltige Vehemenz, dieser hartnäckige Fanatismus der unnachgiebigen und unermüdlichen Mitglieder der Bewegung #sihubogenicidio. Sie glauben diese Geschichte mit ihrem ganzen Wesen. Die Kombination ihrer verworrenen Konzepte lässt keinen Platz für irgendeine Möglichkeit die Realität der geschichtlichen Fakten zu akzeptieren es sei denn durch das copy/paste-Verfahren ihrer juristischen und ideologischen Ansichten. Diese gutwilligen canchitas y canchitos (spöttisch für: hellhäutige Fremde) haben sich gestern frühmorgens in die Warteschlange vor dem Torre des las Tribunales gestellt mit ihrem grünen Gilets mit dem Logo ihrer NGO, die gleichen die wir auch bei den Demonstrationen der CUC und der CONIC gesehen haben, zeigen einen überraschenden Idealismus. Ohne Zweifel sind sie nordische Freiwillige, die sich als Mitglieder einer internationalen Gemeinschaft verstehen, die die Menschenrechte verteidigt. Ihre Begleitung üben sie aus, indem sie ein lineares Narrativ akzeptieren ohne jedes kritische Urteilsvermögen. Das respektiere ich.

Dagegen kann ich ihren Manipulatoren keinen Respekt entgegenbringen. Sie waren in dunklen Anzügen und Krawatten da. Elegant und gefasst. Sie ziehen die Fäden und verwalten die Geldbörsen. Sie zahlen die Spesen ihrer „inditos“ (verächtliche Verkleinerungsform von indio; Indianerli, korrekt: Maya oder Indigena), dabei achten sie darauf, dass diese in den Trachten der Ethnien kommen, die Opfer des Genozids waren. Sie sind es, die ihm Rahmen einer internationalen Tournée gegen den Genozid die ideologisch linientreuen „Experten“ herbeibringen. ……“

MenschenrechtsverteidigerInnen als Marionetten

Der Kolumnist, Alfred Kaltschmitt, zollt den MenschenrechtsverteidigerInnen und ihren internationalen BegleiterInnen scheinbar vordergründig Respekt, sieht sie aber als fehlgeleitete, naive IdealistInnen, die sich in eine absurde Menschenrechtsideologie verstiegen haben. Er beschreibt sie als Marionetten, die von grauen Herren im Hintergrund finanziert und gelenkt werden. Interessant ist, dass er diese grauen Mächte nicht im Ausland ansiedelt, sondern in den besseren Vierteln der Hauptstadt. Die Oberschicht Guatemalas scheint seiner Ansicht nach auch bereits angekränkelt vom Virus des Gutmenschentums.

Der Spott wäre gut auszuhalten, schlimmer ist, dass diese und ähnliche Kolumnen im gewaltbereiten Guatemala den Boden bereiten für direkte gewalttätige Angriffe auf MenschenrechtsverteidigerInnen oder für Polizeiaktionen auf Grund absurder Vorwürfe gegen sie.

Mit Straflosigkeit und Korruption aufräumen

Noch repräsentiert Kaltschmitt eine Minderheit in der für mich erstaunlich grossen Vielfalt der Pressestimmen. Es scheint einen breiten Konsens auch in der bürgerlichen Presse zu geben, dass Straflosigkeit und Korruption nicht weiter hingenommen werden darf und dass die nächsten Wahlen Anlass sein sollen, mit tiefgreifenden Reformen das Wahlverfahren zu reformieren und die Parteien von korrupten Abgeordneten zu säubern. Ein wichtiger Akteur ist dabei die CICIG (Comisión Internacional contra la Impunidad en Guatemala, Internationale Kommission gegen Straflosigkeit), deren Arbeit von der grössten Partei mit den meisten Korruptionsskandalen immer wieder als internationale Einmischung angegriffen wird. Diese Kritik findet aber kaum Resonanz: Die Zivilgesellschaft, Kirchen und Universitäten und sogar der Unternehmerverband veröffentlichen Unterstützungserklärungen und in Demonstrationen, Kolumnen, Leserbriefen und in Tweets wird ihre Arbeit in den höchsten Tönen gelobt.

Quelle: http://www.prensalibre.com/opinion/genocirco-20

2 Gedanken zu “Spott und Hohn für MenschenrechtsverteidigerInnen

  1. Guten Morgen lieber Peter
    danke für deine Berichte, sie sind höchst spannend. Gleichzeitig lassen sie die Situation in Griechenland in einem ganz anderen Licht erscheinen. Herzlich Gisela

    • Liebe Gisela
      vielen Dank für Deinen Kommentar. Es freut mich natürlich, dass meine Berichte Dich interessieren. In der hiesigen Presse wird relativ ausführlich über Griechenland berichtet. Europa kommt sonst eher selten vor. Vielleicht weil sich Guatemala ähnlich abhängig von den US sieht, wie Griechenland von Europa? …. und weil sich viele jetzt vor den Wahlen überlegen, wie sie aus der Verstrickung von Politik, Korruption und Straflosigkeit herauskommen können. Könnte Griechenland ein Modell sei? Allerdings gibt es hier keine SYRIZA. Die einzige linke Oppositionspartei URNG-MAIZ kommt bei den Vorwahl-Umfrage nicht mal ein Prozent.

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